Andacht 03/2021:

„Jesus antwortete: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.“
                     
Lukas 19, 40 (L)

Was werden sie denn schreien, die Steine? Und wer sind die, die hier schweigen, obwohl sie eigentlich reden sollten?
Mit diesem Wort beantwortet Jesus im Lukasevangelium einen Vorwurf der Pharisäer, die sich darüber aufregen, dass die Jünger Kleider vor dem auf einem Esel reitenden Jesus ausbreiten und ihn mit Worten aus Psalm 118 als Herrn und König preisen. „Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!“ Mit diesen Worten huldigt die Menge seiner Anhänger dem nach Jerusalem ziehenden Jesus. Sie begrüßen ihn am Fuße des Ölbergs als den verheißenen Friedenskönig, der Gottes gnädige Herrschaft aufrichten wird und deshalb nicht auf einem Streitross, sondern demütig auf einem Esel Richtung Jerusalem reitet.

Andacht 02/2021:

"Freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind!"
                     
Lukas 10, 20 (EÜ)

Im Himmel wird also eine Namensliste geführt. Erstaunlich, nicht wahr? Auf dieser Liste zu stehen, ist etwas ganz Besonderes, sagt Jesus seinen Jüngern: Darüber können sie sich freuen – viel mehr noch als über alles Mögliche andere, das sie auch glücklich macht. Dass es im Himmel ein Buch gibt, in dem Namen von Menschen notiert sind, davon ist im Alten wie im Neuen Testament an manchen Stellen die Rede. Das Buch wird verschiedentlich „Buch des Lebens“ genannt (z.B. Ps 69, 29 und Phil 4, 3). Gemeint ist das Leben bei Gott und mit Gott, das ewige Leben. Von einem „Buch des Todes“ ist nirgendwo in der Bibel die Rede. Niemand braucht also anzunehmen, Gott habe von vornherein festgelegt, wer in den Himmel kommt zum ewigen Leben und wer in die Hölle zum ewigen Tod. Eine solche Vorfestlegung Gottes gibt es nicht.

Andacht 01/2021:

"Viele sagen: „Wer wird uns Gutes sehen lassen?“
Herr, lass leuchten über uns das Licht deines Antlitzes!"
                     
(Psalm 4, 7 (L))

Es scheint, als gäbe es eine allgemeine menschliche Sehnsucht: Die Suche nach „dem Guten“, der Erfüllung, dem Sinn. Nicht nur die inhaltliche Frage, was dieses Gute ist, sondern auch die Frage nach dem „Woher“ beeinflusst diese Suche. Von wem wird Gutes erwartet? Worin finden wir unsere Erfüllung? Besonders zu Beginn eines neuen Jahres werden die Stimmen aus den Medien, der Werbung und vielleicht auch in unserem Umfeld lauter: Neujahrsvorsätze, neue Hoffnungen, neue Orientierung. Dieses Jahr soll anders werden. Dieses Jahr soll gut werden. Doch worin suchen wir unser Glück? „Viele sagen“ heißt es in diesem Psalm. Viele – das sind auch die Stimmen um uns herum, unsere täglichen Einflüsse, der gesellschaftliche Standard, was als erstrebenswert gilt und wie „das gute Leben“ aussieht.

Andacht zur Jahreslosung

„Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“
                      Lukas 6, Vers 36 (L)

Das als Jahreslosung ausgewählte Jesuswort steht mitten in der Feldrede Jesu. Sie bildet bei Lukas – ähnlich wie die Bergpredigt bei Matthäus – die erste entscheidende Zusammenfassung der Lehre Jesu nach der Jüngerberufung und soll die Leserinnen und Leser des Evangeliums aufrütteln und aus ihrem gewohnten Denken und Handeln herausreißen. Und entsprechend kompromisslos ist die von Lukas überlieferte Botschaft Jesu:

Andacht 12/2020:

"Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus!
Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!"
                     
Jesaja 58, 7 (L)

Eigentlich wollen wir uns jetzt im Dezember auf Weihnachten einstellen, die Adventskerzen anzünden und ein bisschen Ruhe und Frieden genießen. Das dürfen wir, das sollten wir auch, der Corona-Pandemie zum Trotz. Aber: Die Worte des Jesaja erinnern uns daran, dass wir nicht alleine auf der Welt sind, sondern unser „Schalom“ mit dem der anderen Menschen verbunden ist. Wirklich glücklich können wir nur sein, wenn es den Armen und den Benachteiligten um uns herum und in unserer Welt besser geht. Mein Glück gibt es nur als unser Glück.

Andacht 11/2020:

"Gott spricht: Sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten."
                     
Jeremia 31, 9 (Luther)

Hilfreicher Trost bedeutet vor allen Dingen Begleitung. Damals wie heute. Die Formen der Begleitung mögen sich ändern; im Wesentlichen kommt es immer darauf an, einem (oder mehreren) Menschen in herausfordernden Zeiten zur Seite zu stehen, mit zu gehen oder einfach da zu sein.

Die Prophezeiung aus dem Jeremiabuch beschreibt auch Gottes Handeln mit seinem Volk in ganz entsprechender Weise. Den aufgrund von Krieg, Flucht und Vertreibung vermutlich mehrheitlich traumatisierten Menschen wird zugesagt, dass sie getröstet werden, indem Gott sie leitet – was in diesem Fall nichts Anderes als Begleitung heißt, wie bei einer Eskorte.

Andacht 10/2020:

"Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum Herrn; denn wenn´s ihr wohlgeht, so geht´s auch euch wohl."
                     
Jeremia 29,7 (Luther)

Diese Empfehlung Jeremias an seine Landsleute im fernen Babel war für die Briefempfänger sicher eine Zumutung. Eine Herausforderung allemal. Und sie lässt ein paar Beobachtungen zu, die für uns heute nicht weniger bedeutsam sind: Allein in der Aufforderung zu „suchen“, steckt eine Menge: „Investiert Lebensenergie da hinein“ heißt das ja ebenso, wie zugleich konstatiert wird: Was das „Beste“ (eigentlich „Schalom“ – Frieden, Wohlergehen, …) für die Stadt/das Land ist, das liegt nicht auf der Hand. Das ist den deportierten Juden in Babel nicht einfach schon klar. Sie müssen danach suchen. Und dann danach streben. Das steckt nicht in plumpen Parolen und nicht im Krawall.

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