Andacht 04/2020:

"Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich"
                     
1. Korintherbrief 15, 42

Wer sich nicht vorstellen kann, wie eine Auferstehung der Toten aussehen soll, der kann sich vielleicht mit der Erkenntnis trösten: Bereits in den ersten Christengemeinden gab es Menschen, denen es ähnlich ging. Die Apostel hatten verkündigt: Am Ende der Weltgeschichte werden die Toten auferstehen, und zwar nicht, um irgendwann einmal wieder zu sterben, auch nicht, um als bloße Geister weiterzuexistieren, sondern um in einem neuen Leib ewig zu leben. Diese Erwartung hatten Jesus und seine Apostel vom Judentum ihrer Zeit übernommen.

Andacht 03/2020:

"Jesus Christus spricht: Wachet!"
                     
Markus 13, 37

03 Gemeindebrief März April 2020„Wachet!“ – Gab es schon mal einen noch kürzeren Monatsspruch?. Knapper geht´s ja eigentlich gar nicht. Dieses kurze „Wachet“ schließt ein ganzes Kapitel ab, wo Jesus zum Thema Endzeit spricht. Keine rosigen Aussichten. Jesus mahnt am Schluss seiner Zukunftsvision an, wie ein Türhüter zu wachen. Nun sind Türhüter heute selten geworden (mancher hat diesen durch eine Alarmanlage ersetzt), aber mir kommt auch mit Blick auf die damalige Gewohnheit die Frage, wozu es den in Sachen Weltenuhr braucht.

Andacht 02/2020:

"Ihr seid teuer erkauft; werdet nicht der Menschen Knechte."
                     
1. Kor. 7,23

Liebe Geschwister,02 Gemeindebrief jan feb 2020
was für ein Freiheitswort! Wir sind nicht „kirchlich gebunden“, sondern christlich frei!
Wie immer lohnt ein Blick in den Textzusammenhang. Der spricht allerdings auffallend viel vom Bleiben. Das verbinde ich eher wenig mit Freiheit. Heißt Freiheit nicht vielmehr: mich lösen und aufbrechen? Ein Beispiel (nicht meines ): Ich empfinde meine Arbeit als Belastung, sie erfüllt mich nicht. Sie bindet meine ganzen Kräfte, und doch kann ich ihr keinen Sinn abgewinnen. Wenn ich die Freiheit hätte, einfach meine Arbeit zu wechseln, was würde ich tun: Gehen oder Bleiben? Bleibe ich, bleibe ich doch auch ein Gefangener meiner Arbeit. Gehe ich, bin ich frei. (Es sei denn, meine neue Arbeit knechtet mich auch wieder.) Gibt es demgegenüber auch eine Freiheit zu bleiben?

Dem Frieden nachjagen!

Ich glaube; hilf meinem Unglauben!
Markus 9, 24 (L)

Wie passen diese beiden Worte: Glaube und Unglaube in einen Satz? Ist das eine nicht das Gegenteil vom anderen? Geht beides gleichzeitig: glauben und nicht glauben?
Und darf das überhaupt sein?

Andacht 01/2020:

"Gott ist treu"
                     
1. Kor 1, 9

Treue erwartet man von Ehepartnern und lobt sie an Hunden. Bei Menschen ist sie eine Tugend, bei Hunden beruht sie auf Dressur, die die natürlichen Instinkte des Tiers lenkt und formt. Es ist auch ein weises Wort, dass man sich selbst treu sein soll. Das kann in Konfliktsituationen bekanntlich sogar bedeuten, dass man anderen Menschen die Treue aufkündigen und seine eigenen Wege gehen muss. Wer allerdings nur noch sich selbst treu sein kann oder will, hat es aufgegeben, anderen Menschen zu vertrauen. Bei Treue geht es um Vertrauen zu einem Gegenüber, um Beziehung, die sich bewährt in einer gemeinsam erlebten Geschichte.

„Wer im Dunkel lebt und wem kein Licht leuchtet,
der vertraue auf den Namen des Herrn
und verlasse sich auf seinen Gott.“

                                                                   Jes 50,10 (E)

Der Dezember ist der dunkelste Monat im Jahr. Es ist Nacht, wenn wir morgens aus dem Haus gehen und auch, wenn wir spätnachmittags nach Hause kommen. Das kann auf das Gemüt drücken. Dagegen hilft vielleicht eine Lichttherapie; im Winter noch dunkleren Skandinavien werden dafür ganze Räume und Hallen besonders erleuchtet, wo man sich im sonnenähnlichen Licht seelisch erholen kann – von der Dunkelheit draußen. Gegen das fehlende äußere Licht kann man also etwas tun. Aber was machen wir, wenn es um unsere Seele immer finsterer wird oder in unserer Gesellschaft und Welt?

„Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt.“
                                                                   Hi 19, 25

Das „aber“ am Beginn dieses Satzes lässt aufhorchen. Das Wort „aber“ stellt einen Gegensatz dar. Hiob widerspricht. So kennt man ihn: Hiob, der Rebell gegenüber Gott und seinen Freunden. Hiob, der leidenschaftliche Streiter gegen das ihm zu Unrecht zugefügte Leid. Doch wenn Hiob an dieser bestimmten Stelle „aber“ sagt, kommt noch etwas Anderes zum Vorschein, nämlich eine neue Perspektive: „Ich bin mit meinem Leid – trotz allem – nicht allein. Ich bin kein bedauerlicher Ausnahmefall. Wenn nur meine Geschichte aufgeschrieben würde, würde es jeder erkennen.“ Hiob steht exemplarisch für alle Menschen, die wie er unter dauerhaften, unerträglichen Schmerzen leiden. Und er steht dafür ein, dass mit diesem Leid noch nicht alles gesagt ist.

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