„Jesus Christus spricht: Es ist vollbracht!“
                                                                   Joh 19,30 (EU)

Insgesamt sieben letzte Worte werden uns in den neutestamentlichen Evangelien von Jesus Christus überliefert. Nicht in allen Evangelien sind es dieselben. Das Wort, das zu unserem Monatsspruch geworden ist, steht nur im Johannesevangelium. Am Kreuz hängend spricht Jesus: „Es ist vollbracht!“.

Wenn etwas vollbracht wurde, dann wurde es vollständig zu Ende gebracht. Diesen Sinn enthält auch das griechische Wort, das in der Bibel an dieser Stelle verwendet wird. Seine Grundbedeutung ist „ans Ziel kommen“. Aber was ist denn hier ans Ziel gekommen? Was wurde vollständig zu Ende gebracht?

Es könnte scheinen, als würde dieses Wort vielleicht besser in den Mund des römischen Hauptmanns passen, der die Kreuzigung durchführte. Jetzt, da der Gekreuzigte seine letzten Atemzüge tut, ist die Hinrichtung vollbracht. Das würde passen. Aber im Munde des Gekreuzigten? Was soll das Wort da bedeuten? Jesus ist hier doch ein machtloses Opfer weltlicher Gewalt. Er handelt nicht, er leidet nur.

Aber das ist nur der äußere Schein. Eigentlich geschieht hier etwas anderes, und darauf will uns das Kreuzeswort hinweisen. Entgegen allem Anschein bringt Jesus in diesem Moment eine Aufgabe zu Ende, die Gott der Vater ihm mitgegeben hat, als er auf die Welt kam: Er sollte den Vatergott den Menschen erkennbar machen. In den Worten und Taten Jesu sollte man Gott ablesen können wie in einem aufgeschlagenen Buch.

Auch Jesu Passion, sein Leiden und Sterben, sollte Zeugnis von Gott ablegen – von der unendlichen Liebe, durch die Gott sich selbst als Opfer für die Sünden der Menschen hingibt, indem er dem Hass und der Gleichgültigkeit der Menschen zum Opfer fällt. In der großen Geduld, mit der Jesus den Widerwillen der Menschen gegen ihn ertrug und alles mit sich machen ließ, was sie ihm antaten, in dieser Geduld sollte die Liebe Gottes spürbar werden, die selbst seinen Feinden gilt. Diesen Auftrag hat Jesus am Kreuz vollständig erfüllt. Darum konnte er mit Recht sagen: „Es ist vollbracht“.

 

 

03 MA Marz WS1718 CB 2

Prof. Dr. Uwe Swarat an der Theologische Hochschule Elstal

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