„Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott, geweiht.
An ihm darfst du keine Arbeit tun: du und dein Sohn und deine Tochter
und dein Sklave und deine Sklavin und dein Rind und dein Esel
und dein ganzes Vieh und dein Fremder in deinen Toren.“

                                                                   Dtn 5,14 (E)

Zentral für die Heiligung des siebten Tages ist in diesem Vers nicht der Besuch eines Gottesdienstes oder eine andere religiöse Pflichterfüllung, sondern die Konzentration auf die Ruhe. So wie Gott nach sechs Tagen schöpferischer Tätigkeit am siebten Tag von seiner Arbeit ausruhte, so soll auch sein Volk nicht zur ununterbrochenen Arbeit verdammt sein. Ein Innehalten wird gefordert, von dem nicht einmal die Sklaven oder die Tiere oder die schutzlosen Fremden ausgenommen sind.

Diese Worte entstammen einer Zeit, in der jeder Tag einen Kampf ums Überleben bedeutete. Aber jeden siebten Tag nur Ausruhen, das Leben genießen, die Vielfalt der Natur bestaunen – so wie Gott am siebten Tag seine Schöpfung besah, um festzustellen, dass alles sehr gut war – das wird hier in den zehn Geboten nicht nur den Reichen zugestanden, sondern allen Menschen, ja sogar den Nutztieren.

Auch in der modernen Gesellschaft, in der permanente Hektik das Leben prägt, in der Rund um die Uhr die Lichter brennen, ist Ruhe und Innehalten keine Selbstverständlichkeit. Auch uns tut es gut, wenn uns der Wochenrhythmus alle sieben Tage einen zeitlichen Schutzraum bietet, in dem von uns keine Arbeit und keine Leistung erwartet werden. Ein Tag der Besinnung, an dem wir nicht nachweisen müssen, dass wir etwas geschafft haben. Ein Tag der Freiheit, um die wirklich wichtigen Dinge des Lebens zu tun.

Das Gebot der Sabbatheiligung fordert uns heraus, einen kollektiven Tag der Ruhe für alle zu sichern. Der letzte Tag der Woche soll als arbeitsfreier Tag für die schönen Dinge des Lebens reserviert sein. Es ist Gottes Auftrag an uns, einen Tag in der Woche so zu gestalten, dass an ihm möglichst niemand fremdbestimmt wird. Das ist keine Pflicht, sondern ein Vorrecht, zu dessen Verteidigung uns Gott im Gebot der Sabbatheiligung auffordert. Ein Tag mit geschlossenen Geschäften, leeren Büros und weniger Verkehr. Ein Tag ohne Hektik, ohne Konsum und ohne Zeiterfassung. Ein Tag zum Spielen, zum Lesen, zum Nachdenken, zum Hören, zum Musizieren, Entspannen und Liebe machen.

Wenn wir diesen Tag der Ruhe wieder suchen und heilighalten, werden wir auch Gott selbst, den Liebhaber des Lebens, an diesen Sonntagen unseres Lebens neu entdecken können. Dann finden wir wieder Zeit zum Gebet, zum Lesen in der Bibel, zum Hören auf Gottes Wort, zum Singen und zum Nachdenken über Gottes Güte. Nicht als Pflichtübung oder aus schlechtem Gewissen, sondern weil unser Kopf wieder dafür frei wird, uns darauf neu einzulassen.

Den Sabbat so zu heiligen, ist nicht leicht in einer hektischen Welt, die auch am Sonntag nicht stillsteht. Aber in dem Streben nach einer gemeinsamen Sabbatruhe am Ende der Woche liegt seit Israels Zeiten ein besonderer Segen Gottes für unser Leben.

 

 

MA Januar WS1718 5 CB

Prof. Dr. Ralf Dziewas / Prorektor und Professor für Diakoniewissenschaft und Sozialtheologie an der Theologische Hochschule Elstal

Vernetzt im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) in Deutschland K.d.ö.R.

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